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Design für jede Körperform: Warum die Passform eines der schwierigsten Themen im Exoskelett-Design ist

  • 9. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit


Wenn wir eine typische Erst­anpassung eines Exoskeletts machen, wird sehr schnell klar:

Dasselbe Exoskelett fühlt sich bei zwei verschiedenen Personen nie gleich an.

Noch bevor jemand arbeitet, geht oder hebt, zeigen sich Unterschiede. Eine Person spürt sofort Unterstützung. Eine andere stellt einen Gurt zweimal nach. Eine dritte fragt, ob sich das so überhaupt richtig anfühlen soll.


Diese Situationen sind keine Ausnahmen. Sie sind die Regel. Und sie machen eines der grössten Probleme im Exoskelett-Design sichtbar: die Passform.


Die Passform ist ein zentraler Faktor. Sie beeinflusst, wie sich ein Exoskelett anfühlt, wie es funktioniert und ob es am Ende überhaupt genutzt wird. In der Entwicklung heisst das: immer wieder testen, nachjustieren und neu überdenken, wie das System an echten Menschen sitzt.


Menschen gibt es nicht in «Standardgrössen»


Im Maschinenbau folgen die meisten Komponenten klaren, vorhersehbaren Massen. Teile passen, weil sie genau so konstruiert sind. Bohrungen fluchten. Kräfte laufen entlang definierter Pfade. Konstruktionen verhalten sich wie erwartet.


Menschen? Eine ganz andere Geschichte.


Wir kommen in allen Formen vor: gross, klein, schmale Schultern, breite Schultern, lange Arme, kurze Arme. Die Liste ist lang.Zwei Personen mit gleicher Körpergrösse können komplett unterschiedliche Proportionen haben.Zwei Personen mit gleichem Gewicht können gegensätzliche Körperformen haben.


Und anders als Kleidung müssen Exoskelette nicht nur sitzen. Sie müssen Lasten übertragen, sich sauber mit dem Körpers bewegen und während der Arbeit stabil bleiben.


Darum ist Passform grundsätzlich etwas anderes als Grösseneinteilung. In der Praxis gibt es kein Label, das verlässlich vorhersagt, wie sich ein Exoskelett an einer Person verhält.


Entscheidend ist, wie gut das System mit einem Körper zusammenspielt, der sich von Bewegung zu Bewegung anders verschiebt und belastet. Genau deshalb wird Passform sehr schnell zu einer ingenieurtechnischen Aufgabe und nicht zu einer Frage der Grösse.

 

Ein Exoskelett wird nicht nur getragen. Es muss mitarbeiten


Eine gute Passform hat nicht nur mit Komfort zu tun. Sie beeinflusst direkt die Funktion des Exoskeletts.


Wenn die Passform nicht stimmt:

  • kann sich die Unterstützung nicht richtig aktivieren

  • werden Kräfte nicht dort eingeleitet, wo sie sollen

  • können Gurte verrutschen

  • entstehen Druckstellen

  • fühlen sich Bewegungen eingeschränkt statt unterstützt an


Was wie eine kleine Abweichung wirkt, kann den Kraftfluss im gesamten System verändern. Ein paar Zentimeter bei der Gelenkausrichtung oder der Gurtposition können den Unterschied machen zwischen hilfreicher Entlastung und störendem Widerstand.


Diese Empfindlichkeit ist der Grund, warum Tests mit vielen verschiedenen Personen über das ganze Spektrum an Körperformen hinweg durchgeführt werden, wie sie im Arbeitsalltag vorkommen.

 

Textil + Mechanik = die eigentliche Herausforderung


Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus unserer Entwicklungsarbeit ist: Passform ist eine echte interdisziplinäre Aufgabe.


  • Die mechanische Struktur muss der menschlichen Anatomie ausreichend nahekommen.

  • Die textile Schnittstelle muss so gestaltet und positioniert sein, dass Kräfte zuverlässig und gleichzeitig angenehm übertragen werden.

  • Das Verstellsystem muss so intuitiv sein, dass es ohne Fachwissen bedient werden kann.


Wenn einer dieser Punkte nicht passt, fühlt sich das ganze System falsch an.

In der Praxis bedeutet das: Passform lässt sich nicht auf dem Papier lösen. Sie muss an bewegten Körpern validiert werden. Kleine Änderungen im Aufbau oder in der Einstellung können im realen Einsatz grosse Auswirkungen haben.


Darum konzentriert sich die Entwicklung oft auf Details wie Nahtpositionen, Gurtwinkel, Polsterdicken oder Konturverläufe. Diese Änderungen sieht man auf Produktfotos kaum. Sie entscheiden aber oft darüber, ob sich ein Exoskelett natürlich oder störend anfühlt.


 

Der heilige Gral: Ein Design, tausende Körperformen


Für den Einsatz im Arbeitsalltag können Exoskelette keine Einzelanfertigungen sein. Sie müssen über Teams, Schichten und Standorte hinweg funktionieren.


Das bedeutet Verstellbarkeit. Aber nicht so viel, dass das System kompliziert oder mühsam wird.Der richtige Punkt liegt irgendwo zwischen:


  • einfacher Einstellung

  • grossem Passformbereich

  • stabilen Kraftpfaden

  • wenigen Fehlerquellen

  • guter Nutzererfahrung


Auxivo Exoskelette setzen auf flexible textile Konstruktionen, selbstausrichtende Elemente und Einstellungen, die in Sekunden vorgenommen werden können. Das hat nichts mit Bequemlichkeit zu tun, sondern mit realistischer Nutzung im Alltag Wenn jemand 15 Minuten und ein Handbuch braucht, um die Passform richtig einzustellen, sinkt die Akzeptanz sofort.


Erkenntnisse aus dem Feld


Bei Feldtests mit neuen Prototypen beobachten wir laufend, wie Menschen die Exoskelette anziehen und einstellen. Und die Realität ist: Jeder macht es ein bisschen anders.


Manche tragen es lieber sehr eng, andere lassen bewusst mehr Spiel. Manche vergessen einen Gurt, andere aktivieren die Unterstützung früher oder später als vorgesehen.


Das sind keine «Bedienfehler». Das sind Signale. Sie zeigen uns, wo das Design klarer, einfacher und intuitiver werden muss. Und genau diese Erkenntnisse fliessen direkt in den nächsten Prototyp ein.

 





Wohin wir unterwegs sind


Langfristig erwarten wir, dass sich Exoskelette noch besser an Körperform und Bewegung anpassen:


  • weiterentwickelte Textilien

  • leichtere und atmungsaktivere Materialien

  • Designs, die sich mehr wie Kleidung anfühlen und weniger wie Ausrüstung


Aber auch mit neuen Materialien bleibt eine Tatsache bestehen: Das Design für jede Körperform wird immer einer der schwierigsten und gleichzeitig wichtigsten Teile der Exoskelett-Entwicklung sein.

 
 
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