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Wie Textilien bestimmen, wie sich ein Exoskelett anfühlt


Wenn Menschen an Exoskelette denken, stellen sie sich oft Metallrahmen vor, Kabel, Gelenke, vielleicht ein paar futuristische Bauteile, die direkt aus einem Sci-Fi-Film stammen könnten. Fragt man jedoch unser R&D-Team, sagen sie etwas anderes: Die eigentliche Magie passiert oft in den Textilien.


Ja – in den Stoffen, den Nähten, der Polsterung, den Gurten, in all den Materialien, die dem Körper am nächsten sind. Auf den ersten Blick wirken sie simpel. In Wirklichkeit gehören sie zu den komplexesten und am meisten unterschätzten Teilen jedes Exoskeletts, das wir entwickeln.


Textilien sind nicht nur da, um alles zusammenzuhalten. Sie sind die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik. Und genau an diesen Schnittstellen entscheiden sich viele Produkte für Erfolg oder Misserfolg.

 

Textilien machen Komfort aus oder zerstören ihn


Man kann das intelligenteste mechanische System der Welt entwickeln. Wenn die textile Schnittstelle nicht stimmt, wird es niemand tragen. Und wenn es niemand trägt, hilft auch die beste Ingenieursleistung nichts. Jede Falte, jede Naht und jede Materialwahl beeinflusst, wie sich ein Exoskelett anfühlt:


  • Dehnt es sich in die richtige Richtung?

  • Ist es atmungsaktiv?

  • Bleibt es bei Bewegung an Ort und Stelle?

  • Vermeidet es Druckstellen?


Es ist immer ein Balanceakt. Stabilität gegen Flexibilität. Weichheit gegen Haltbarkeit. Struktur gegen Komfort.


Ein Beispiel: Kräfte zu verteilen klingt in der Theorie einfach. In der Praxis ist es extrem sensibel. Ein paar Millimeter mehr Polster an der falschen Stelle können im Stand komfortabler sein, bei wiederholtem Bücken aber schmerzhafte Druckpunkte verursachen. Zu wenig Struktur, und die Kraft „schwimmt“, statt sauber übertragen zu werden. Zu viel Struktur, und der Körper fühlt sich eingeengt an.


Und im Gegensatz zu Maschinen gibt es Menschen nicht in Standardgrössen. Ein textiles Design muss sich an Tausende unterschiedliche Körper anpassen. Textile Entwicklung beschäftigt sich deshalb damit, wie verschiedene Materialien als System zusammenwirken. Über unterschiedliche Körperformen hinweg, bei verschiedenen Bewegungen und unter wechselnden Arbeitsbedingungen.

 

Es ist nicht „nur“ Stoff. Es ist eine eigene Ingenieursdisziplin


Von aussen wirken die textilen Teile eines Exoskeletts oft einfach. Weiche Elemente, Gurte, gepolsterte Zonen. Im Vergleich zu mechanischen Komponenten scheinbar nichts Besonderes. In Wirklichkeit ist es genau andersherum.


Textilien sind dort, wo der Körper auf die Technik trifft. Und genau das macht sie so komplex.

Die Textilentwicklung bei Auxivo deckt alle Aspekte von Design und Integration ab. Dazu gehört das Testen verschiedenster Materialien und Komponenten, das millimetergenaue Anpassen von Schnitten, das Überarbeiten von Formen für die Integration mit mechanischen Elementen und die enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Zulieferern. Prototypen werden intern gebaut, getestet, angepasst und immer wieder neu iteriert, bis sie den Anforderungen im industriellen Einsatz standhalten.


Eine Entwicklungsrunde funktioniert fast nie beim ersten Versuch. Ein Prototyp kann sich zehn Minuten lang grossartig anfühlen. Nach einer Stunde repetitiver Arbeit baut sich Wärme auf, Materialien verschieben sich oder Druck konzentriert sich an unerwarteten Stellen. Dieses Feedback fliesst direkt in die nächste Iteration ein. Oft mit Änderungen, die von aussen kaum sichtbar sind, aber entscheidend für den Langzeitkomfort.


Textile Komponenten müssen vieles gleichzeitig leisten: Kräfte gleichmässig verteilen, Bewegungen stabilisieren, atmungsaktiv bleiben, sicher sitzen und sich trotzdem bei repetitiven Bewegungen angenehm anfühlen. Und zusätzlich müssen sie für Menschen intuitiv sein, die zum ersten Mal ein Exoskelett anziehen.

 

Textilien sind entscheidend für die Akzeptanz im Alltag


Wenn Menschen ein Exoskelett zum ersten Mal ausprobieren, denken sie nicht an Drehmomentkurven oder Kraftprofile. Sie denken daran, wie es sich anfühlt. Genau deshalb haben Textilien so grossen Einfluss darauf, ob jemand ein Exoskelett täglich nutzt oder nicht.


Kleine Details sind wichtiger, als viele erwarten: Ein Gurt, der sich beim Gehen langsam verschiebt. Eine Naht, die nur beim Heben vom Boden reibt. Oder ein Material, das nach 30 Minuten Wärme staut. Jedes dieser Details kann das Vertrauen in das gesamte System untergraben, selbst wenn die mechanische Unterstützung objektiv funktioniert.


Fühlt sich ein Material zu warm an, reibt an der falschen Stelle, verrutscht bei Bewegung oder sitzt einfach nicht richtig, sinkt das Vertrauen sofort. Komfort ist kein Nice-to-have. Er ist die Voraussetzung für Akzeptanz.


Ein Exoskelett ist eine zusätzliche Schicht. Wenn es sich nicht gut anfühlt, wird es nicht getragen. Selbst dann nicht, wenn es hilft.

 

 
 
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